Studien- und Lernhinweise

(nicht nur für „Erstsemester“)

1. Erfolgversprechendes Studium erkennt man an der Studienmotivation - der „Lernlust“, die das Studierendenleben durchdringen soll. Diese Lernlust ist nicht automatisch da, sondern muss geweckt werden (und das auch immer wieder neu). Sie sollten nach Büchern, Einflüssen, Mitstudierenden suchen, die anregen und zum Lernen anstacheln können. Der Kontakt mit anderen Studierenden ist ein ganz wichtiger Motivationsfaktor.

2. Wechseln Sie möglichst früh aus der Schüler-Mentalität in die Studierenden-Haltung herüber: Das Lernen in die eigene Verantwortung nehmen; nicht auf das "Eintrichtern" warten. Das Lernfeld selbst erkunden; dazu sind Lehrbücher unverzichtbar. Entwerfen Sie eigene Konzeptionen dazu, in welcher Zeit was gelernt werden soll. Die Lehre nicht passiv entgegennehmen, sondern aktiv als Hilfe zum eigenständigen Lernen nutzen.

3. Manche Studierende lassen den ersten Studienabschnitt verstreichen, ohne sich ernsthaft auf das aktive Einprägen des Lernstoffs einzulassen. Hier gilt, wie im Langstreckenlauf: Sie sollten nicht im Spurttempo beginnen, was nach kurzer Zeit zur Erschöpfung führen muss; Sie dürfen aber auch nicht einfach stehen bleiben, wenn der Startschuss fällt.

4. Für den Lernerfolg ist die Bildung kleiner Arbeits- oder Lerngruppen sehr wichtig. Hier sollte man nicht nur Informationen von anderen aufnehmen, sondern auch selbst auf andere einwirken, um durch Diskussion und gegenseitiges Hinterfragen zu lernen.

5. Sie müssen Ihren eigenen Lern-Rhythmus finden. Lassen Sie sich daher in der Studieneingangsphase nicht dadurch irritieren, dass andere schon mehr wissen. Doch behalten Sie die große Zahl der Mitstudierenden und ihre Leistungen im Auge und sorgen Sie dafür, dass Sie jedenfalls nicht hinter den Durchschnitt zurückfallen.

6. Beliebt, aber falsch ist die Saisonarbeit im Hinblick auf einzelne Klausuren. Mehr Erfolg verspricht demgegenüber die stetige und gleichmäßige Verbreiterung der Wissensbasis. Sie brauchen den kontinuierlichen Wissens- und Verständniszuwachs nicht nur zur späteren Vorbereitung auf das Examen, sondern auch zur Stabilisierung und Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und zur Anhebung des Lerninteresses für neue Informationen. Außerdem ist der Wissensausschnitt zu klein, den Sie sich verschaffen, wenn Sie nur zielgerichtet auf einzelne Klausuren hin lernen.

7. Orientieren Sie sich an den Profis in Sport und Kunst: Setzen Sie jeden Tag eine begrenzte Zeit ein, verwenden Sie diese aber möglichst regelmäßig und konzentriert zum Lernen. Gleich in den Lehrveranstaltungen die Gelegenheit zum mitdenkenden Lernen beim Schopf packen. Prüfen Sie selbst, welche Zeiten für Sie die besten zum Nacharbeiten sind. Da eigene Aufzeichnungen lückenhaft oder ungenau sein können, ist der Nacharbeitungs-Lernerfolg größer, wenn Sie den Stoff mit Lehrbüchern nacharbeiten.

8. Kalkulieren Sie Enttäuschungen ein. Nehmen Sie Misserfolge so hin, wie Sportler die unvermeidlichen Niederlagen wegstecken – versuchen Sie, sie als Ansporn zu neuen Leistungen zu nutzen. Lassen Sie Sich auch niemals vom Fragen abhalten, weil sie fürchten, Wissenslücken aufzudecken und ausgelacht zu werden. Die Mitstudierenden haben in der Regel die gleichen Verständnisprobleme und werden für Ihre Fragen dankbar sein.

9. Häufen Sie nicht Papiere an, sondern erweitern Sie den im Kopf verfügbaren Kenntnisstand. Nicht kopieren, sondern kapieren. Lehrbücher sind überschaubarer (und sachlich fundierter) als Zettelhaufen. Gefragt ist Wissen, aber Wissen ist kein Selbstzweck. Es muss in Klausuren (Gutachten oder Bescheiden) umgesetzt werden können. Daher mit der Aufnahme von Wissen stets seine Anwendung in der konkreten Fall/Problem-Lösung trainieren. Im Ergebnis zählt nur, was man ohne Hilfsmittel aus dem Kopf reproduzieren und (vor allem) anwenden kann.

10. Die Qualität von Internet-Quellen können Studierende in aller Regel nicht beurteilen; deshalb ist von einem „Lernen nach Internet“ abzuraten. Der juristische Lernstoff begegnet Ihnen vor allem in Rechtssätzen (wie sie z.B. im Gesetz stehen) oder in Erläuterungen und Fortentwicklungen des Rechts durch die Rechtsprechung. Dies sind die Primärquellen. Die Lehrbücher und Verwaltungsvorschriften sind Hilfen, die zum besseren Verständnis der Primärquelle herangezogen werden; das Lehrbuchstudium ist unerlässlich, um echtes Verständnis und eine eigene Anschauung von dem Inhalt der Rechtssätze zu gewinnen und mit guter Erfolgsaussicht in die Prüfungen gehen zu können.

 

Anregungen zum juristischen Lehrbuchstudium:

 

Allgemeines Verwaltungsrecht:

 

Hofmann/Hildebrandt/Gunia/Zeissler, Allgemeines Verwaltungsrecht

mit Bescheidtechnik, Verwaltungsvollstreckung und Rechtsschutz, aktuell 12. Auflage

 

https://shop.kohlhammer.de/allgemeines-verwaltungsrecht-2258.html#147=23

 

 

Kommunalrecht:

 

- Hofmann / Bätge / Wiesner, Kommunalrecht in NRW (Lernbuch mit Übungen),20. Auflage

 

- Hofmann, Praktische Fälle aus dem Kommunalrecht , 14. Auflage

 

Privatrecht:

 

- Einmahl, Zivilrecht für die öffentliche Verwaltung, 7. Auflage

 

Staatsrecht:

 

- Sensburg (Hsg.), Staats- und Europarecht, 3. Auflage

 

Prof. Dr. Harald Hofmann, Köln

 

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